Mehr als 160 Interessierte kamen am 08. Oktober 2009 in das Wiener WUK, wo sich erstmals alle 10 Bildungs- und Beratungsprojekte des Vereins zur Schaffung offener Kultur und Werkstättenhäuser unter einem Dach präsentierten. Größten Anklang fanden die interaktiven Angebote, wie Naturwissenschaft zum Ausprobieren, Fortbewegung einmal anders und das Planspiel „Berufsglück“. An den Messeständen konnte mit den BeraterInnen der vielfältigen Unterstützungsangeboten des WUK Kontakt aufgenommen, Fragen gestellt und konkrete Informationen eingeholt werden.

Neben der Präsentation der Unterstützungsangebote des WUK für Jugendliche und junge Erwachsene wurde auch die prekäre Lebenssituation von „arbeitsunfähigen“ Jugendlichen thematisiert. Auf der einen Seite sind sie durch strukturelle Rahmenbedingungen nahezu von Erwerbsarbeit ausgeschlossen und auf der anderen Seite sollen und wollen sie oft ohnedies in den gesellschaftlich anerkannten Arbeitsmarkt.
Die Vorträge der beiden neuen Projekte „On the Job“ (wienwork) und „Absprung“ (Jugend am Werk) informierten über die Unterstützungsangebote bei der Jobsuche für junge „nur zum Teil arbeitsfähige“ Menschen. Das Ziel dieser Angebote ist es gerade diesen strukturell benachteiligten Jugendlichen Perspektiven am Arbeitsmarkt zu eröffnen.

Nach der Pause stellte Bernhard Heinzlmaier, Sozial- und Jugendforscher (www.tfactory.com) in seinem Impulsreferat pointiert die Schwierigkeiten von benachteiligten Jugendlichen am Arbeitsmarkt ins Zentrum. Die gesellschaftliche Tendenz Menschen die benachteiligt sind noch stärker an den Rand zu drängen scheint unaufhaltsam. Perspektiven für behinderte Menschen und andere Randgruppen, um am großen Kuchen Arbeit und gesellschaftlichem Status mitnaschen zu dürfen wird immer unrealistischer und das erhoffte Umdenken der Gesellschaft rückt in die Ferne.
Die anschließende Podiumsdiskussion „Endstation oder Chance? Arbeitsunfähigkeit junger benachteiligter und behinderter Menschen“ versandete zwischendurch in politischen Worthülsen. Keiner der DiskutantInnen konnte mit klaren Lösungsvorschlägen aufwartete. Die beiden Betroffenen am Podium jedoch thematisierten unbeirrt ihre oft harten Erfahrungen bei der, wenn auch mittlerweile geglückten, Arbeitssuche.

Thomas Rottenberg folgte dem Geiste der Aussagen von Bernhard Heinzlmaier und konfrontierte das Podium hartnäckig mit teils süffisanten Fragen. Dr. Hans Jörg Hofer versprach in Vertretung des Bundesministers Rudolf Hundstorfer auch im nächsten Jahr gleichbleibende Geldmittel für die Angebote der beruflichen Integration.
Die Forderung des Publikums Lösungen die nicht ausschließlich auf arbeitsfähig oder nicht abzielen wurden kaum aufgegriffen. Die Blitzidee von David Ellensohn die Möglichkeiten die für integrierte Gesellschaftsgruppen bereits bestehen auch auf ausgegrenzte Gruppen zu übertragen konnte als erster Funke mit Innovationscharakter punkten. Bildungskarenz statt Langzeitarbeitslos oder Frühpension, so könnte ein möglicher Ansatz lauten der Möglichkeiten für bisher chancenlose und ausgegrenzte Menschen bieten könnte.
Das Wetter hielt was es versprach und WUK and Friends konnten mit einem spätsommerlichen lauen Abend in der WUK After Works Lounge den ersten Bildungs- und Beratungstag gemütlich ausklingen lassen.

Faktum bleibt, auch nach einem erfolgreichen WUK Bildungs- und Beratungstag, dass die prekäre Lage am Arbeitsmarkt und die schwierige Lebenssituation der Jugendlichen mit Benachteiligung und Behinderung bestehen bleibt. Die soziale und finanzielle Absicherung von Benachteiligten und das gleichzeitige Bestreben nach Teilhabemöglichkeiten am Arbeitsmarkt müssen verknüpft werden können. Nicht die scharfe Trennlinie „Arbeitsunfähigkeit und ausgegrenzt“ oder „Arbeitsfähigkeit“ kann zum Ziel führen.
Eine konstruktive Mitte zwischen diesen beiden Extremen ist gefordert. Nischenprojekte müssen implementiert werden und neue Konzepte mit langfristigen Perspektiven umgesetzt werden. Auch sollten Zwischenlösungen eine Existenzberechtigung erhalten, denn es ist schon verwunderlich, dass in Zeiten von Teilzeitarbeit, Bornout und oft gepredigter Lebensqualität nur ein Arbeitsverhältnis über der Geringfügigkeit als „echte“ Arbeit gilt.
Genug Arbeit gibt es ja schon seit der industriellen Revolution nicht mehr, die Arbeitslosenzahlen sind hoch und der Lehrstellenmarkt für Jugendliche ist mittlerweile seit Jahren ein harter Verteilungskampf. Der Begriff Arbeit erfährt einen Wandel, warum nicht auch der der „Arbeitsfähig-„ und „Arbeitsunfähigkeit“ und somit die Lösungsansätze? Neben schwarz und weiß bzw. entweder und oder sollte sich auch „schillerndes grau“ in das Denken der Verantwortlichen verankern. Denn das ist die Realität vieler Betroffener: Vielschichtig, individuell, schwarz weiß und doch auch schillernd.